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Judith Holofernes im Groben

Judith ist in Berlin geboren, mitten hinein in die Siebziger, nach Kreuzberg, hinein in einen selbst verwalteten Kinderladen und eine WG in wechselnder Besetzung und Größe. Auf den Fotos aus ihrer Kindheit kann sie ihren Vater selten von anderen Männern hinter anderen Bärten unterscheiden.

Als sie sechs Jahre alt war, beschloss ihre Mutter, wie so viele, das blasse Kind nach Freiburg im Breisgau zu verpflanzen, wegen der vielen Bäume und des grünen Bürgermeisters. Der daraus resultierende Kulturschock wurde erst verarztet, als Judith vier Jahre später auf die Gesamtschule kam, wo ihre innere und äußere Zerzaustheit wieder ein angemessenes Zuhause fand.

Weil sie merkte, dass man damit an Lagerfeuern ein heißer Feger ist, lernte sie mit zwölf Jahren Gitarre spielen. Dabei ging es ihr, neben dem Heißerfegersein, von Anfang an nur um Songs. Seit sie mit acht Jahren die Plattensammlung ihrer Mutter entdeckt hatte, war sie gefesselt. Sie klebte vor dem Plattenspieler, schrieb sich alle Texte raus, zunächst relativ unterschiedslos (von Nana Mouskouri und Bob Dylan), und versuchte sie zu übersetzen.

In der Schule sang sie im Musicalchor, und, schwanger mit einem Bauarbeiterhelm unter dem T –Shirt, ihre ersten Soli. Mit vierzehn Jahren fing sie an, Straßenmusik zu machen, leicht gehandicapt von einem starken Hang zu B-Seiten und absoluter Renitenz, „Knocking on Heaven`s Door“ zu spielen. Dieses Manko verstand sie jedoch mit einem unsäglichen Schlapphut und offensivem Jungsein auszugleichen.

Wieder zurück in Berlin, mit zwanzig, fing sie an, in kleinen Clubs aufzutreten, alleine mit Gitarre, mit ihren ersten eigenen Liedern. Allerdings fühlte sie sich zwischen den eingeborenen Liedermachern und Klavierkabarettisten immer verloren und unverstanden - hatte sie doch die Sex Pistols im Fernsehen gesehen und wollte sie doch laute Musik machen, bitteschön, und zu einer Gang gehören. Und den Beweis antreten, dass die Menschen gleichzeitig hüpfen und denken können. Als sie in Hamburg den Rest der Band kennen lernte, war es für sie Liebe auf den ersten Blick, denn die Herren hüpften und dachten ohne Unterlass.